Lebensretter von morgen: Einblick in die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Gemünden

Lebensretter P-Seminar

Was bedeutet es eigentlich, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen? Dieser Frage ging das P-Seminar „Lebensretter“ des Friedrich-List-Gymnasiums Anfang Juli auf den Grund. Im Rahmen eines praxisnahen Schnuppertages öffnete die Freiwillige Feuerwehr Gemünden ihre Türen und gewährte einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen.

Der Tag begann informativ: Kreisbrandinspektor Benjamin Egert begrüßte die Schülerinnen und Schüler mit einem fundierten Vortrag über das Feuerwehrwesen in Bayern. Dass das Thema keineswegs trocken war, zeigte sich schnell – einige der Jugendlichen sind selbst bereits in der Jugendfeuerwehr aktiv und konnten teils schon auf etwas Vorwissen zurückgreifen.

Zahlen, Daten, Fakten: Das Rückgrat des Brandschutzes

Die Dimensionen, die Egert aufzeigte, waren beeindruckend: Rund 7.500 Freiwillige Feuerwehren und sieben Berufsfeuerwehren bilden das Sicherheitsnetz im Freistaat. Stolze 330.000 aktive Feuerwehrdienstleistende sind hier tätig. Der Frauenanteil liegt aktuell bei ca. 39.000 Einsatzkräften und steigt kontinuierlich.

Auch die operative Logistik hinter den Kulissen wurde transparent: Allein im Jahr 2024 wurden die bayerischen Wehren zu rund 295.000 Einsätzen gerufen – das entspricht etwa 800 Alarmierungen pro Tag oder alle zwei Minuten. Auch für unsere Region sind die Zahlen signifikant: In Unterfranken schlägt alle 20 Minuten ein Alarm auf, was jährlich knapp 26.000 Einsätze bedeutet. Dabei wies Egert auf die straffe Organisation bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Würzburg hin: Spätestens 90 Sekunden nach einem Notruf müssen die ersten Rettungsmittel alarmiert sein.

Vom Gerätewagen bis zum „Höhenflug“

Nach der Theorie folgte die Praxis. Heiko Betz, 1. Kommandant der Feuerwehr Gemünden, und sein Stellvertreter Timo Binder führten das Seminar durch den beeindruckenden Fuhrpark. Neben klassischen Einsatzfahrzeugen wie dem Hilfeleistungslöschfahrzeug und der Drehleiter gab es einen speziellen Blick auf den „Gerätewagen Licht“. Dass dieser nach den jüngsten Unwettern in der Region mit seinen Tauchpumpen Gold wert war, verdeutlichte den Schülern die Wichtigkeit der technischen Hilfeleistung, die mit 170.000 Einsätzen bayernweit ein bedeutendes Aufgabenfeld der Feuerwehren ausmacht.

Hautnah erleben

Das Highlight für die Schülerinnen und Schüler war die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen. Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) inklusive Sauerstoffbehälter wurde zur Herausforderung: Mit rund 18 Kilogramm zusätzlich am Körper bekamen die Jugendlichen ein Gefühl für die Belastung eines Feuerwehrmanns im Einsatz.

Auch die Bedienung schwerer Rettungsgeräte wie Schere und Spreizer sowie der Umgang mit Handfeuerlöschern wurden demonstriert. Den krönenden Abschluss bildete schließlich der Gang in den Korb der Drehleiter, von wo aus die Schülerinnen und Schüler den Blick über Gemünden aus luftiger Höhe genießen konnten – ein Perspektivwechsel, der den Respekt vor dieser anspruchsvollen, ehrenamtlichen Aufgabe nachhaltig gestärkt hat.

Ein herzliches Dankeschön gilt den Verantwortlichen der Feuerwehr Gemünden, die den Schülerinnen und Schülern einen unvergesslichen und lehrreichen Vormittag ermöglicht haben. Vielleicht ist dies der erste Schritt für den einen oder anderen „Lebensretter von morgen“.

Text & Foto: Jürgen Endres