„Das Regime sitzt weiterhin fest im Sattel!” – Digitale Gesprächsrunde zur Lage im Iran

Iran Gesprächsrunde Q12

Laut führenden Demokratieindizes wie dem Bertelsmann Transformationsindex befindet sich die Staatsform der Demokratie weltweit auf dem Rückzug. Nach intensiver Beschäftigung mit verschiedenen politischen Ordnungen hatten Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Friedrich-List-Gymnasiums im Fach Politik und Gesellschaft kürzlich bei einer digitalen Gesprächsrunde zum Iran die Gelegenheit, mit zwei interessanten Zeitzeugen in Kontakt zu treten. Beide haben im Iran, also einer Theokratie, gelebt, leben jetzt aber in der Bundesrepublik Deutschland, einer parlamentarischen Demokratie.

Persönliche Einblicke in das Leben im Iran

Zunächst berichtete der Referent StD Dr. Andreas Müller über seinen fünfjährigen Aufenthalt als deutscher Gymnasiallehrer an einer Deutschen Schule in Teheran. Interessant für die Schülerinnen und Schüler des FLG war, was er über seine persönlichen Erfahrungen sowie speziell über die Erlebnisse seiner mitgereisten Familie berichtete. Beeindruckend war auch, was die Referentin Dr. Somaye Akbari über ihr Leben als Frau und alleinstehende Mutter im Iran erzählte, bevor sie auf die Umstände ihrer Migration nach Deutschland einging.

Fragen zu Gesellschaft, Religion und Alltag

Im Anschluss hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, in einen direkten Austausch mit beiden Gesprächspartnern zu treten. Dabei kamen zahlreiche Themen in Bezug auf den Iran zur Sprache: Was es heißt, als Frau dort aufzuwachsen, das Ausmaß der Propaganda, der Umgang mit Christen im Land, die Machtstrukturen eines islamischen Gottesstaates; auch kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und dem Iran sowie die Einstellungen der Zivilbevölkerung gegenüber dem Regime wurden ausführlich thematisiert.

Aktuelle politische Entwicklungen im Fokus

Die Referenten stellten zudem immer wieder Bezüge zu den aktuellen politischen Entwicklungen im Iran her. So gingen sie auf die landesweite Protestwelle zum Jahreswechsel 2025/2026 und die gewaltsame Reaktion des Regimes ein. Ebenso thematisierten sie die jüngsten Machtverschiebungen nach der Tötung des geistlichen und politischen Führers Ali Chamenei, dessen Beisetzung erst in der vergangenen Woche weltweit große mediale Aufmerksamkeit erregt hatte.

Vor diesem Hintergrund wurden auch die weiterhin anhaltende militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel einerseits sowie dem iranischen Regime andererseits und deren nationale wie internationale Auswirkungen kritisch diskutiert. Die Frage, ob die Referenten Hoffnung auf eine Demokratisierung des Landes haben, mussten beide verneinen: „Das Regime sitzt weiterhin fest im Sattel!“, lautete ihre pessimistische Einschätzung.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Müller und Frau Akbari für die wertvollen Einblicke in ihr Leben, ihre Erfahrungen und Einschätzungen zur aktuellen politischen Lage!

Text & Fotos: Annika Waldenburger