Vive l’amitié franco-allemande !

sharedimage1
previous arrow
next arrow

 

Unsere französischen Gäste vom Collège Jeanne d’Arc in St.-Brice-en-Coglès in der Bretagne haben im Rahmen des Frankreichaustauschs am Friedrich-List-Gymnasium eine Woche in den Familien der teilnehmenden Siebt- und Achtklässler verbracht. Auf die fast 60 französischen und deutschen Schülerinnen und Schüler wartete ein abwechslungsreiches Programm.

Nach einer langen Busfahrt von rund 1000 Kilometern sind unsere französischen Gäste gut gelaunt, aber etwas ermattet aus dem Bus gestiegen. Ein fröhliches „Salut! Vous êtes de retour“, freundschaftliche Umarmungen und der obligatorische Begrüßungskuss zwischen den Lehrkräften folgten sogleich. Schließlich kennen wir uns schon ein paar Jahre und Freundschaften haben sich entwickelt.

Unter den Schülerinnen und Schülern kam zunächst etwas Unruhe auf, als unsere französischen Gäste ihren deutschen Gastfamilien vorgestellt werden. „Ob das wirklich funktioniert mit der Fremdsprache? Und was soll ich überhaupt sagen!?“ Solche Gedanken sah man in vielen neugierigen Gesichtern. Doch vor allem die Lust auf ein kleines Abenteuer hatte die Schülerinnen und Schüler beider Länder zusammengeführt. Und wirklich! Nach einer ersten Nacht der Erholung von den Reisestrapazen konnte man täglich aufs Neue sehen, wie Deutsche und Franzosen weiter zusammenwuchsen, ihre Zurückhaltung mehr und mehr aufgaben und sich einander annäherten.

Residenz und Weihnachtsmarkt als Highlights

Tags darauf gab es eine herzliche Begrüßung durch unseren stellvertretenden Schulleiter Herrn Michel, der eine kurze Laudatio auf die zahlreichen unvergesslichen Erfahrungen während eines Schüleraustauschs hielt. Recht hat er!

Und dann ging es nach Würzburg. Ziel war die Residenz, die wahrscheinlich auch noch nicht alle deutschen Schülerinnen und Schüler gesehen hatten. In der Tat fiel den französischen Gästen sogleich die Ähnlichkeit zum Château de Versailles bei Paris auf. Ein Rundgang durch die fürstbischöflichen Gemächer sowie ein langer Stopp im Treppenhaus mit ausführlicher Erklärung von Tiepolos Deckenfresko gehörten zum kulturellen Teil dieses Tages. Danach gab es endlich die Möglichkeit, gemeinsam über den Würzburger Weihnachtsmarkt zu gehen und sich in den vorweihnachtlichen Trubel zu stürzen. Eine völlig neue Erfahrung für unsere bretonischen Gäste, denn Weihnachtsmärkte gibt es nur in Deutschland 😊.

Ausflüge auf die Eisbahn und ins Mittelalter

Das Wochenende gehörte ganz dem deutsch-französischen Familienleben. Einfach miteinander eine gute Zeit haben! Das war natürlich das Motto aller und viele Franzosen und Deutsche trafen sich auf der Würzburger Eisbahn wieder. Eben gemeinsam einfach eine gute Zeit haben.

Der Montag stand dann ganz im Zeichen des Mittelalters. Unsere deutsch-französische Gruppe begab sich in eine der schönsten Städte Bayerns, nach Rothenburg ob der Tauber. Ein Rundgang auf der Stadtmauer eröffnete einen sonnigen Wintertag. Vielleicht sollten wir dort auch ein Stück Mauer erwerben!? Ein Meter deutsch-französisches Freundschaftsmauerwerk, das wäre doch eine tolle Idee.

Im Kriminalmuseum offenbarten sich uns vielfältige Foltermethoden aus dem Mittelalter, die den Jugendlichen oft Staunen und Kopfschütteln entlockten. Finster war das Mittelalter. Um der Lebensfreude zu frönen, durften danach alle in Kleingruppen durch die Stadt ziehen, einen weiteren Weihnachtsmarkt erkunden und bei Käthe Wohlfahrt die Weihnachtszeit in all ihren Facetten kennenlernen.

Vergangenheit und Gegenwart

Der Dienstag stand zuerst unter dem Eindruck der deutsch-deutschen Vergangenheit. Wo ist Point Alpha? Was ist das Fulda-Gap? Und wieso standen sich in der Rhön bei Geisa NATO und Warschauer Pakt auf kürzeste Distanz militärisch gegenüber?

Mit Zeitzeugen der deutschen Vergangenheit mit der Teilung in BRD und DDR gingen wir auf eine Reise in die jüngere Vergangenheit am Point Alpha. Für die meisten von uns – Franzosen wie Deutsche – war dies lediglich eine Episode aus dem Geschichtsbuch. Natürlich! Sind unsere Schülerinnen und Schüler doch viel später geboren. Doch unsere Zeitzeugen schilderten engagiert und anschaulich die Situation der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, sodass wir erste griffige Eindrücke aus unserer nahen Vergangenheit bekamen.

Die vorweihnachtliche Gegenwart führte uns auf dem Rückweg nach Fulda, wo wir nach einem kurzen Rundgang durch den Fuldaer Dom unseren dritten Weihnachtsmarkt in Angriff nahmen. Weihnachten kann man ja nie genug kriegen 😊. Bunt gemischt zogen dann deutsch-französische Schülergruppen durch die beschauliche Innenstadt Fuldas und über den charmanten Weihnachtsmarkt.

Zeit, dass unsere Gäste auch einmal den ‚gestrengen‘ Schulalltag am FLG kennenlernen! Am Mittwoch war es endlich soweit: Es gab eine Schulhausführung durch die deutschen Schülerinnen und Schüler, eine Breakdance-Akademie, gemeinsame Weihnachtslieder mit Herrn Albert und vieles mehr. An so einen Schultag könnte man sich in der Tat gewöhnen 😊.

Abschied und Ausblick

Es ist Mittwochabend, 20.45 Uhr, und der Abschied naht. Was wir vorher nur ahnen konnten, zeigt sich nun sehr deutlich. Es wird kein leichter Abschied. Viele Kontakte wurden geknüpft, viele Nachrichten geschrieben, es wurde gelacht, geredet, gestaunt und jetzt heißt es „Adieu!“ zu sagen. Das ist traurig, aber nicht so schlimm, denn es ist ein „Au revoir! Auf Wiedersehen!“. Wir kommen wieder. Im Mai werden wir zu Gast in Saint-Brice-en-Coglès sein. Wir freuen uns jetzt schon.

Eine spannende Woche liegt hinter uns. Manche von uns haben alte Freundinnen und Freunde wiedergetroffen. Manche haben neue Freundinnen und Freunde gefunden. Alle werden sich bald wiedersehen und dann gemeinsam die Bretagne erkunden.

Vive l’amitié franco-allemande !

Text & Fotos: Dietmar Tögel